Bollingen hofft auf Ende der Backhaus-Halle

Presseecho

Ein "Betonkasten" erinnert in Bollingen noch an die Großbäckerei Ulmer Backhaus. Jetzt könnte die etwa 70 Meter lange Halle abgerissen und durch einen etwas kleineren Neubau ersetzt werden.

Der Ortschaftsrat von Bollingen ist dafür, der Dornstadter Gemeinderat ebenfalls. Jetzt hängt es vom Landratsamt als Baurechtsbehörde ab, ob die Bauvoranfrage für ein Wohn- und Geschäftshaus am Spatzenweg in Bollingen durchgeht. Wenn ja, würde aus dem Dornstadter Teilort ein "Betonkasten" verschwinden. So jedenfalls bezeichnet Martin Durst, Ortsvorsteher von Bollingen und Gemeinderat der Freien Wähler, das ehemalige Betriebsgebäude der Großbäckerei Ulmer Backhaus.

Das Unternehmen hatte einstmals mehr als 350 Mitarbeiter, von denen etwa 150 in Bollingen beschäftigt waren. Im Zuge der Insolvenz im Jahr 2002 wurden die meisten der mehr als 40 Filialen verkauft, der Betrieb in Bollingen wurde geschlossen. Etwa die Hälfte der Beschäftigten war zunächst von Arbeitslosigkeit bedroht, nach Einschätzung der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten dürften dann aber fast alle eine neue Anstellung gefunden haben.

Fast acht Jahre nach dem Ende des Ulmer Backhauses steht die etwa 70 Meter lange Produktionshalle immer noch. Voraussetzung für ihren Bau war der nach wie vor gültige Bebauungsplan für ein "beschränktes Gewerbegebiet". Demnach ist dort nach den Worten von Frieder Braig vom Bauamt der Gemeinde "nicht wesentlich störendes Gewerbe" zulässig. Auch Wohnungen, zum Beispiel für Betriebsleiter, seien möglich.

Mit 55 Metern Länge, einer maximalen Breite von knapp 24 Metern und etwa sechs Metern Höhe ist das nunmehr auf dem Grundstück geplante Gebäude zwar nicht wesentlich kleiner als die Halle der Großbäckerei. Mit dem aufgelockerten Grundriss und den unterschiedlichen Dachformen passe es aber viel besser nach Bollingen, meint Ortsvorsteher Durst: "Das wäre eine Aufwertung fürs Ortsbild."

Trotzdem ist das Vorhaben nach Ansicht von Bauamtsleiter Braig "nicht ganz so einfach". Erstens überwiege die Wohnfläche, was in einem Gewerbegebiet nicht vorgesehen sei. Zweitens habe ein benachbarter Landwirt Einwände gegen das Projekt erhoben, weil es die Entwicklung seines Betriebs behindern könnte. Wegen des geringen Abstands zum Neubau könnte ihm die Schweinehaltung nur bis zu einer bestimmten Anzahl von Tieren erlaubt sein. In diesem Konflikt zwischen Bestand und Vorhaben wird nach Braigs Worten der Fachdienst Landwirtschaft im Landratsamt noch eine Stellungnahme abgeben.

Nach Ansicht von Paul Anhorn (SPD) und Karl Knab (CDU/BWV) sollte der Dornstadter Gemeinderat die Einschätzung dieser Fachbehörde abwarten und sich erst dann zu der Bauvoranfrage äußern. Paul Sauter (CDU/BWV) hegt grundsätzlichere Bedenken: Um dem Wohnen, wie es der Antragsteller wolle, Vorrang gegenüber dem Gewerbe einzuräumen, müsse wohl der Bebauungsplan geändert werden.

Die meisten Gemeinderäte sind aber anderer Ansicht, sie befürworten das Neubauvorhaben und hoffen, ohne langwierige Änderung des Bebauungsplans auszukommen. Mit der mehrheitlichen Zustimmung dürfte auch die Hoffnung auf ein Ja vom Landratsamt und damit den Abriss der ehemaligen Bäckereihalle verbunden sein. Martin Durst: "Wir wollen ja das Ortsbild nicht mit diesem Klotz verewigen."

Quelle: Südwestpresse, 09.02.2010, eigene Hervorhebungen

 

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